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Dieses Thema hat 42 Antworten
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 Erziehung
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Rupp Offline




Beiträge: 536

09.09.2009 16:56
#16 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Jutta,
Instinktverhalten ist auch heute noch weitgehend unerforscht, weil sehr komplex.
Instinkte bei Hündinnen in Bezug auf Fortpflanzung werden z.B. hormonell gesteuert.
Der Jagdinstinkt wird z.B.durch Bewegung(Flucht) eines Jagdobjekts ausgelöst.
Maremmani sind durch Jahrtausende geprägt worden. Sie sind jedoch nicht nur durch Arbeit an der Herde, sondern genauso durch Bewachen von Höfen (Territorien) geprägt worden.
Hunde können nicht instinktiv wissen, wer die Schafe gefährdet. Wenn z.B. ein Wolf ein Schaf von der Herde zu trennen versucht, um es leichter zu erbeuten, sieht das wie ein Spiel aus oder wie wenn ein Schäferhund ein Schaf antreibt (z.B.zurück zur Herde).
Wenn ein Hund nicht aus Erfahrung (durch Anlernen oder eigenes Erleben)den Wolf als grundsätzliche Bedrohung erkennt, ist er nicht motiviert, den Wolf als Feind anzusehen und zu vertreiben, wenn dieser auftaucht.
Was die gelegentlichen Stachelschweinbesuche mit dem Verhalten der Maremmani zu tun haben, kann auf der Erfahrung mit diesen basieren, daß man um diese stacheligen Gesellen am besten einen Bogen macht.
Sicherlich haben Hunde einen Haufen Instinkte, die das Verhalten steuern, aber instinktiv bedrohliche von harmlosen Tieren zu unterscheiden, das können sie nicht.
Deshalb wird ein Kaninchen oder eine fremde Katze genauso gekillt, wie ein Fuchs, wenn sie in den Territorialbereich eindringen.
Es gibt Hunde, die mit den Familienkatzen kuscheln, aber jede fremde Katze jagen und auch killen würden. Dieses unterschiedliche Verhalten hat nichts mit Instinkt zu tun, sondern mit Erfahrung.

Liebe Grüße
Rupp

Suzy Offline



Beiträge: 351

09.09.2009 19:39
#17 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Rupp,
ich geb Dir ja Recht, dass die Hunde nicht von alleine wissen, wer gefährlich ist und wer nicht, aber die Maremmani -unsere jedenfalls- haben die Tendenz erstmal "alles" für gefährlich zu halten. Menschen z.B. sind perse gefährlich, es gibt da dann nur gelernte Ausnahmen. Fremde Hunde dagegen hält nur Suzy für Todfeinde, da macht es bei ihr aber auch keinen Unterschied, ob die männlich oder weiblich sind, wenn Suzy sie erwischt, war es das. Während Suzy Füchse, Katzen und Hunde egal wo sie sie trifft, versucht umzubringen (auch z.B. beim Tierarzt), interessiert Puck sich für die genannten Spezies nur, wenn sie in sein Revier eindringen. Puck hat Maidi und Flossi noch nicht mal geholfen, als die beiden den Fuchs auf einen Spaziergang gestellt haben, er hat sich schlichtweg keinen Deut dafür interessiert. Das würde dafür sprechen, dass Puck wirklich nur als Hofhund geeignet ist.
Viele Grüsse
jutta

Rupp Offline




Beiträge: 536

10.09.2009 09:32
#18 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Jutta,
zurück zum Anfang:
Die Prägung auf Schafe hätte auch zuhause erfolgen können. Durch Euer Experiment können Hunde meiner Meinung nach nicht automatisch zu selbständigen Herdenschutzhunden werden. Es bedarf weiterer Hilfen durch Erfahrungen unter Anleitung durch ältere Hunde.
Solange die Hunde etwas als ihr Territorium ansehen, werden sie alles vertreiben, was dort nicht hingehört und damit auch andere anwesende Tiere schützen. Das kann auch außerhalb gewohnter Bereiche sein. Unsere Hunde waren mal
15 Minuten an einm Terrassenzaun eines Restaurants in Dänemark angebunden und als der Wirt ihnen Wasser bringen wollte, haben sie ihn angegriffen. Ich denke, fast jeder kennt Hunde, die sich auf ihrem Territorium wie angriffslustige Monster verhalten und draußen überhaupt nicht.
Der Schutz andere Tiere durch Hunde beruht meistens auf Territorialverteidigung. Nur auf freier Weide oder bei ziehender Herde werden die Herdentiere selbst durch auf die Tiere geprägten und von älteren Hunden angelernten Hunden beschützt. Fehlt die Prägung, funktioniert das nicht. Selbst bei Prägung sind nicht alle Hunde dafür geeignet. Dies trifft auch bei Hunden von Schafbauern zu, wo die Hunde seit vielen Generationen Herdenschutzarbeit leisten. Hunde, für die die Schafe nicht tabu sind oder die zum Jagen neigen, sind für selbständige Herdenschutzarbeit nicht geeignet und werden von den Schafbauern aussortiert. Daß Hunde aus sog. Arbeitslinien automatisch bessere Herdenschutzhunde oder überhaupt bessere Hunde seien, ist ein zweckerfundenes Märchen.
Ohne eigene Erfahrungen unter Anleitung durch ältere Hunde funktioniert selbständiger Herdenschutz auch nicht. Ob eine Anleitung allein durch Menschen funktioniert, möchte ich bezweifeln. Sicherlich können Menschen den Hunden beibringen, was sie nicht machen sollen, z.B. Schafe hetzen. Aber das Erkennen und Vertreiben von Feinden können Menschen wohl nur schwer vermitteln. Dazu müßten sie dem Hund erstens einen Angriffsbefehl beibringen und dann viel Zeit aufwenden, um den Hund bei Auftauchen eins Feindes außerhalb des Territoriums zum Angriff zu bewegen.

Daß Hunde nicht instinktiv Feinde erkennen können, ergibt sich auch aus Deiner Beschreibung des gegensätzlichen Verhaltens von Puck und Suzy. Instinkte sind bei allen Spezies einer Gattung vorhanden. Sonst wären es keine Instinkte. Daß sich Puck außerhalb seines Territoriums nicht für den Fuchs interessiert hat, zeigt, daß auch Maremmani nicht instinktiv Feinde erkennen können, sondern nur auf ihrem Territorium alles angreifen, was fremd ist. Auch daß Puck einen Fuchs als Territoriumseindringling angreift, er dies draußen jedoch nicht tut, zeigt, daß er einen Fuchs trotz Erfahrung nicht als Bedrohung einstuft. Obwohl er ein Maremmano ist. Ich denke, daß auch die meisten Herdenschutzhunde zu allen Zeiten mehr Territorialverteidigung praktiziert haben, als reine Herdenschutzarbeit und deshalb das Territorialverhalten bei diesen Rassen so ausgeprägt ist.

Liebe Grüße
Rupp





Blackbelly ( gelöscht )
Beiträge:

10.09.2009 14:56
#19 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Antonio ist ja in einer Schafsherde geboren, wie er in diesen 9 Wochen dort aufgewachsen ist kann ich nicht beurteilen. Bis zum 9 Monat war er die Schafe nur bei uns besuchen, ohne einen Erfahrenen Hund, also abschauen konnte er sich auch nichts.
Nun mit 16 Monaten lebt er erfolgreich zwischen den Schafen, bewacht sie vor Füchsen (1. hat er schon gefangen), lässt keine Raben mehr bei uns landen und fremde Kater schaffen es auch nicht auf dem Hof.
Einen ungebetenen Menschlichen Besuch hat er sogar auch schon vertrieben ( erst gestellt, dann immer um ihn herumgelaufen und sogar in den PO gezwickt), das muß im März oder April gewesen sein denn ich war gerade mit dem Stallausmisten zugange.
Und wenn die Schafe auch nur die kleinste Anspannung zeigen ( meist erkennbar durch geradem Stehen und Beine aufstampfen ) ist er zur Stelle und stellt sich vor die Schafe und Sucht den Grund der Aufregung.
So und nun kommt Alessa tägl. die Schafe und Toni besuchen und ich hoffe das sie sich schnell sein Verhalten abschaut.

Rupp Offline




Beiträge: 536

10.09.2009 21:14
#20 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Elke,
Antonio beschützt und verteidigt nur sein Territorium gegen alle Eindringlinge, egal ob harmlos oder gefährlich. Das würde er auch dann tun, wenn er nicht die ersten Wochen seines Lebens mit Schafen verbracht hätte.
Das hat nichts mit den Schafen zu tun, das würde er auch machen, wenn keine Schafe da wären. Schafe können natürlich Veränderungen signalisieren, aber Antonio würde soetwas auch ohne Signal von den Schafen merken. Und natürlich stellt er sich dann vor die Schafe, sonst könnte er ja nicht sehen, was da los ist, z.B. einen Fuchs nicht sehen. Das hat nichts mit Schafschutz zu tun.
Natürlich schützt Antonio durch sein Territorialverhalten indirekt auch die anwesenden Schafe, aber er beschützt sie nicht direkt.
Aber es ist doch schön zu denken, daß mein Hund meine Schafe beschützt, sich schützend vor sie stellt und jeden, der den Schafen schaden könnte, vertreibt oder unschädlich macht, damit er den Schafen nichts tut. Auch wenn`s nur Einbildung ist.

Liebe Grüße
Rupp

Suzy Offline



Beiträge: 351

10.09.2009 23:08
#21 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo,
natürlich beschützen unsere Hunde auch aktiv einzelne Tiere (oder alle, die in ihrem Einzugsbereich sind). Mein schönstes Beispiel, einer unserer Arbeiter hatte eine kleine Ziege gefunden und wollte sie mit nach Hause nehmen. Er hat sie also bei uns vor der Haustür angebunden, drinnen für ca. 15 Minuten Kaffee getrunken und wollte dann seine Ziege mitnehmen. Suzy - die den Mann seit immer kennt und nichts gegen ihn hat - hat sich zähnefletschend zwischen ihn und die Ziege gestellt. Das nenne ich Ziege beschützen und nicht Revier. Suzy läßt -im Gegensatz zu Puck - auch Fremde auf den Rasen, aber sie läßt nicht, niemals zu, dass ein Fremder ein Lamm oder Känguruh berührt.
Viele Grüsse
jutta

Rupp Offline




Beiträge: 536

11.09.2009 09:16
#22 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Jutta,
vielleicht wollte Suzy das Zicklein nur behalten und hat deshalb den Mann angegiftet. Der Mann hat doch das Zicklein nicht bedroht, sodaß Suzy es beschützen mußte - oder?

Liebe Grüße
Rupp

Blackbelly ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2009 12:09
#23 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Ob nun Einbildung oder nicht, die Hunde tun das was sie sollen und wozu sie geboren wurden.

Angefügte Bilder:
Toni Lessa 08. 09 026.JPG  
Claudia ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2009 13:53
#24 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo zusammen!


Ich habe jetzt mit großem Interesse diesen Thread durchgelesen und mir stellen sich noch ein paar Fragen...

Rupp:
"Sicherlich haben Hunde einen Haufen Instinkte, die das Verhalten steuern, aber instinktiv bedrohliche von harmlosen Tieren zu unterscheiden, das können sie nicht."

Woher weißt du das? Kannst du diese Behauptung irgendwie untermauern?
Ich persönlich habe ja eher das Gefühl, dass meine Maremmani immer eher überreagieren - also von sich aus erst mal alles Unbekannte als Bedrohung einstufen um dann aufgrund der Erfahrungen, die sie sammeln mit der Zeit zu differenzieren. Aber ich kenne auch Hunde, die scheinbar wirklich von Anfang an differenziert reagieren, je nach dem, ob es sich um eine (wirkliche) Gefahr handelt oder nicht. Allerdings trifft das nur auf Gefahren für den Hund zu - nicht z.B. auf Gefahren, die keine Bedrohung für den Hund sind, aber z.B. für Lämmer...

Jutta:
"ich geb Dir ja Recht, dass die Hunde nicht von alleine wissen, wer gefährlich ist und wer nicht, aber die Maremmani -unsere jedenfalls- haben die Tendenz erstmal "alles" für gefährlich zu halten."

Genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht ;-)

Rupp:
"Antonio beschützt und verteidigt nur sein Territorium gegen alle Eindringlinge, egal ob harmlos oder gefährlich. Das würde er auch dann tun, wenn er nicht die ersten Wochen seines Lebens mit Schafen verbracht hätte.
Das hat nichts mit den Schafen zu tun, das würde er auch machen, wenn keine Schafe da wären."

Das mag schon sein, aber kannst du da sicher sein? Wie unterscheidest du aufgrund so eines Kurzberichtes, ob der jeweilige Hund beschützt aufgrund von Territorialverhaltens oder ob es nicht doch (auch) seine Prägung auf die Schafe ist? Es ist durchaus auch möglich, dass Antonio als auf Schafe geprägter Wächter agiert... Wie begründest du deine Feststellung, dass es sicher nichts mit den Schafen zu tun hat? Ich wüßte nicht, wie ich den Unterschied erkenne... und es muss doch einen geben, oder? Denn dass Maremmani, die wirkliche auf Schafe geprägt sind, diese beschützen und mit ihnen über die Weiden ziehen - somit kein fixes Terretorium haben - kann man doch so stehen lassen, oder?

Jutta:
"Suzy - die den Mann seit immer kennt und nichts gegen ihn hat - hat sich zähnefletschend zwischen ihn und die Ziege gestellt. Das nenne ich Ziege beschützen und nicht Revier. Suzy läßt -im Gegensatz zu Puck - auch Fremde auf den Rasen, aber sie läßt nicht, niemals zu, dass ein Fremder ein Lamm oder Känguruh berührt."

Das finde ich interessant...
Kann es sein, dass der Mann irgendetwas getan hat, was Suzy als Bedrohung interpretiert haben könnte? Mir scheint es ja fast so, als ob Suzy fast mütterliche Gefühle den anderen Tieren auf der Farm entgegen bringt... Ich kenne einige Hündinnen, die alles, was im weitesten Sinne "beschützenswert" ist, praktisch wie ihre Kinder adoptieren und in weiterer Folge alles und jeden, der ihrer Meinung nach eine "Bedrohung" darstellt angreifen würden. Ist doch im Grunde toll, dass ihr anscheinend so ein Exemplar habt ;-) Die anderen Tiere am Haus können sich so völlig sicher fühlen!


@Blackbelly
Im Grunde ist es doch wirklich völlig egal, aus welchem Grund eure Hunde ihre Aufgabe erfüllen, oder? ;-)
Sie tun es doch und das ist das, was ihr von ihnen erwartet. Ich finde das ausgesprochen schön so, denn eure Hunde haben eine artgerechte, sinnvolle Beschäftigung! Und ich wette, die sind stolz wie Oskar, wenn sie jemanden vertrieben haben ;-)! Meine Hunde sind nicht mit Schafen aufgewachsen, leben aber die halbe Woche mit ein paar "Rasenmäherschafen" zusammen und - egal aus welchem Grund - freuen sich ein Loch in den Bauch, wenn sie mal richtig Terror machen dürfen, weil sich ein Fremder den Schafen (und ihrem Terretorium) nähert *ggg*
Ihr könnt stolz auf eure Hunde sein!#


LG
Claudia

Rupp Offline




Beiträge: 536

11.09.2009 16:09
#25 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Claudia,

warum ich der Ansicht bin, daß Hunde nicht instinktiv Tiere, die eine Bedrohung sein können, von anderen Tieren unterscheiden können, kann ich an zwei Beispielen erklären.
Instinkte werden nur dann als solche bezeichnet, wenn alle Spezies einer Gattung diese haben.
Am Beispiel des von Jutta beschriebenen Vorfalls des draußen gestellten Fuchses, den Puck ignoriert hatte, während Suzy alle potentiellen Feinde draußen angreift, zeigt das unterschiedliche Verhalten, daß Puck den Fuchs draußen nicht als Feind ansieht, während er ihn drin sofort angreifen wird. Würde jeder Maremmano instinktiv Feinde von ungefährlichen Zeitgenossen unterscheiden können, hätte Puck den Fuchs angegriffen,wie es die anderen Hunde gemacht haben und es Suzy jederzeit machen würde.
Ein anderes Mal hat ein Hund einen Hasen verfolgt. Den hat er sicher nicht als Bedrohung oder Feind angesehen. Aber plötzlich hat der Hase kehrt gemacht und ist auf den Hund zugelaufen. Da hat der Hund die Flucht ergriffen.
Weil er nicht instinktiv den Hasen als harmlos einschätzen konnte, sondern sich plötzlich und unerwartet bedroht fühlte, weil dieser nicht wegrannte, sondern auf ihn zu.
Es ist bekannt, daß die jungen Herdenschutzhunde von den älteren Hunden angeleitet werden. Wenn z.B. ein Fuchs sich nähert, greifen die Althunde ihn an und die Junghunde lernen so, daß Füchse zu den Feinden zählen, die verjagt oder angegriffen werden. Begegnen die Hunde einem z.B. einem Reh, werden die Althunde gar nichts machen und die Jubghunde lernen so, daß Rehe nicht zu den Feinden zählen.
Wenn Hunde instinktiv Feinde von Nichtfeinden unterscheiden könnten, bräuchten sie nicht von erfahrenen älteren Hunden angeleitet zu werden, sondern wüßten schon als Welpen instinktiv, wer Feind ist und wer nicht.

Was Hunde allerdings instinktiv können, ist ein bedrohliches Verhalten als solches zu erkennen und je nach Veranlagung machen sie dann einen Rückzieher oder antworten ebenso mit einer Bedrohung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bedrohung eine tatsächliche Gefahr darstellt oder nicht.
Auch können Hunde eine vermeintliche Bedrohung annehmen, die tatsächlich keine ist. Dazu ein Beispiel: Ein Nachbar hat mal abends in unserem Park im Dunkeln meine Frau angesprochen, ob sie seinen Hund gesehen hätte. Unsere drei Hunde haben den Mann sofort angegriffen und nur meine lauten Verbote haben zum sofortigen Abbruch geführt und eine Verletzung des Mannes verhindert. Dieser Vorfall zeugt von einer Beschützerfunktion für ein Rudelmitglied. Würde der Mann auf unser Grundstück kommen, würde er als Territorialeindringling angegriffen werden, egal ob meine Frau dabei ist oder nicht.

Was Antonios Verhalten betrifft, habe ich es m.M. nach ausführlich erklärt. Da es auf seinem Territorium stattfand,
reagiert Antonio logischerweise auch territorial - alle Eindringlinge angreifen - egal ob gefährlich oder nicht.
Weil Antonio auf seinem Territorium eben alle Eindringlinge angreift, egal ob dort noch andere Tiere vorhanden sind oder nicht. Er muß auch nicht zwischen bedrohlichen und harmlosen Eindringlingen unterscheiden. Er greift einfach alles an - egal ob Fuchs oder Igel. Und auch dann, wenn keine Schafprägung vorhanden ist. Oder auch, wenn keine Schafe, sondern Ziegen dort sind.
Weshalb sollte dann die Motivation für einen Angriff auf einen Eindringling von einer Schafprägung her kommen?

Dies wäre dann der Fall, wenn Antonio außerhalb seines Territoriums angreift, weil dann der Territorial-Effekt wegfällt und eine tatsächliche Beschützerfunktion ausgeübt wird.

Ich denke, daß die Motivation für das Verhalten eines Hundes oft idealisiert wird, weil es ein so schöner Gedanke ist, daß der Hund mich und meins beschützt. Man möchte das so. Deshalb wird fleißig nach Argumenten gesucht und entsprechende Interpretationen für das Hundeverhalten gefunden (der Hund stellt sich schützend vor die Schafe oder das Zicklein).Und dann kann man doch stolz auf seinen Hund sein! Ist ja verständlich, nur nicht selbstverständlich.

Liebe Grüße
Rupp

Suzy Offline



Beiträge: 351

11.09.2009 23:31
#26 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo,
Jetzt wüßte ich gerne, wie dieses zitieren geht.
Rupp, Du hast gesagt "Instinkte werden nur dann als solche bezeichnet, wenn alle Spezies einer Gattung diese haben."
So einfach finde ich das nicht, weil die Instinkte können durchaus unterschiedlich ausgeprägt sein.
Und es ist tatsächlich so, dass Suzy und Puck ein vollkommen unterschiedliches Beschützerverhalten an den Tag legen.

Es ist so, wie Claudia es gesagt hat, Suzy "adoptiert" jedes Tier -außer Hund -, das wir einführen unverzüglich als zu beschützendes Objekt, dass dann eben sofort nicht mehr von Aussenstehenden (wie dem Arbeiter) angefaßt werden darf. Suzy beschützt lebende Tiere, nicht das Revier, sie läßt Leute rein und raus. Und Tiere (oder einzelne Menschen), die sie für gefährlich hält, greift sie unverzüglich an, egal ob sie zuhause, auf nem Spaziergang oder in der Stadt ist.

Puck zeigt das von Dir Rupp beschriebene Revierverhalten, er läßt niemanden (nichts) ins Revier, verhält sich aber außerhalb harmlos - jedenfalls solange er nicht den Eindruck hat, er müßte mich beschützen.

Also instinktiv beschützen beide irgendwie und die Welpen, die gerade "revierlos" aufwachsen, werden hoffentlich, die Schafe als zu beschützende Objekte aktzeptieren. Und das sieht gerade richtig gut so aus. Und wie gesagt, wenn dann mal im Zweifelsfall jemand harmloses weggebellt wird, ist mir das auch recht.

Rupp, Dein Hasenbeispiel finde ich wunderschön, war der Hund noch jung?

Viele Grüsse
jutta


Rupp Offline




Beiträge: 536

13.09.2009 16:52
#27 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Jutta,

die wissenschaftliche Definition eines Instinktes muß mehreren Kriterien genügen, wovon ein Kriterium ist, daß alle Tiere dieser Gattung diesen Instinkt haben müssen, sonst ist es kein Instinkt,
Wenn Hunde zwischen Feind und Freund instinktiv unterscheiden könnten, d.h. ohne entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben, müssen dies alle Hunde können, auch Welpen. Dies ist aber nicht der Fall(siehe Suzy und Puck).

Das Verhalten von Suzy, alle Tiere, die in ihren Bereich kommen, nicht mehr von Nichtrudelmitgliedern anfassen zu lassen, das ist meiner Meinung nach kein Beschützen. Wovor denn? Das ist Besitzergreifen und verteidigen. Ich sag's nocheinmal. Man sollte nicht für jeder Handlung eine Beschützerfunktion als Ursache an den Haaren herbeiziehen wollen. Wenn ein Hund andere Tiere angreift, wird das als aggressiv bezeichnet. Wenn ein Hund andere Tiere angreift oder bedroht, wenn noch weitere Tiere anwesend sind, wird Agression als Beschützen bezeichnet, egal
ob die anwesenden anderen Tiere bedroht sind oder nicht.
Wenn ein Hund aus einer Herde heraustritt, weil er sonst nicht sehen kann, was da ist, dann interpretiert man das als schützend vor die Schafe stellen. Das ist doch nur Wunschdenken, von dem auch Du Dich offenbar nicht trennen kannst.

Liebe Grüße
Rupp

Suzy Offline



Beiträge: 351

14.09.2009 10:33
#28 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Rupp,
okay, ich geb Dir Recht, Welpen wissen nicht, was gefährlich ist und was nicht. Also müssen sie lernen und das dann durch Erfahrung, wenn niemand da ist, der sagt, "guck mal ein Fuchs - Todfeind". Vielleicht lernen die Welpen das dann, nachdem der Fuchs mal angegriffen hat. Ich glaube aber eher, dass sie das lernen, weil die Schafe -instinktiv - kein Zweifel in diesem Fall- wissen, dass ein Fuchs kein guter Nachbar ist.
Und wie schon mal erwähnt, da junge Maremanni auch fallende Blätter, plötzlich aufkommenden Wind, Flugzeuge, flatternde Tüten etc.... für eine potentielle Bedrohung ihres Lebens halten, lernen sie vielleicht andersrum, was nicht gefährlich ist.

Wir werden sehen was passiert, und das wird auch noch ne Zeit dauern - wenn unsere Lammüberlebensrate mit den Maremmani steigt, war es erfolgreich und wenn unsere Schafsdiebstahlquote sinkt, auch. Und, da alle unsere Hunde Menschen gegenüber sehr, sehr mißtrauisch sind, werden das die drei draußen auch sein, und einmal bellen und präsenz zeigen, reicht doch auch fast immer, vor allem weil die Dokus über Bären- und Wölfekillende Maremmani hier gerade sehr beliebt sind. Und, wir werden auch - wenn die Zeit reif ist - weit verbreiten, dass wir jetzt Hunde bei unseren Schafen halten, vielleicht schreckt das alleine ja schon die ersten Schafsdiebe ab. Es gibt also viele Möglichkeiten, warum es gut funktionieren kann. Das einzige Schreckensszenario was ich mir gerade vorstellen kann, wäre, wenn die Kleinen anfangen Schafe zu fressen, aber dafür spricht gar nichts.

Zu Beschützen und Aggression: Ich bin die Allerletzte, die sagen würde, dass Beschützen nichts mit Aggression zu tun hat. Wir sind uns bewußt, dass wir "gefährliche" (Lt. Verordnung) Hunde halten, deshalb haben mich auch deine so stark beeindruckt, weil sie so gar keine Anstalten gemacht haben, mich in kleine Stücke zu reißen. Aber, wir verstärken das -beschützende oder auch aggressive Verhalten - durch ausgiebiges Lob, d.h. Puck und Suzy wissen ganz genau, dass ich will, dass sie bellen, wenn Fremde (Männer) kommen und sie wissen auch, dass ich gegen Knurren, Zähnefleischen, gesträubtes Fell nichts habe, ganz im Gegenteil, solange sie nicht zubeißen, ohne dass ich das will - und das wissen die beiden auch. Wichtig ist, dass sie akzeptieren, dass Michael und ich, Fremde ins Haus lassen können und dass wenn wir dabei sind, Fremde sogar mal ein Känguruh fotografieren und anfassen können. (Kleinere Probleme gibt es natürlich trotzdem, wie zerrissene Hosen oder angstschlotternde Gäste, die aber alle unsere Warnungen und Verhaltensregeln nicht wirklich ernst genommen hatten- zum Lachen ist das eigentlich gar nicht, sondern es ist manchmal ne Gradwanderung).

Zu Suzy und Füchsen: Wir hatten hier ein großes Fuchsproblem bevor Suzy kam, die Viecher haben sich sehr nah ans Haus getraut und immer wieder Hühner geklaut. Ungefähr zwei Monate nachdem Suzy zu uns kam, war der erste tote Fuchs morgens auf dem Rasen und wir haben das große "Suzy, was bist Du für ein toller Hund"- Theater aufgeführt, das hat funktioniert, diesem ersten Fuchs sind ein Haufen gefolgt, die irgendwie immer direkt sichtbar tot vor der Haustür lagen. Und wenn ich das so schreibe, gebe ich Dir Recht, Suzy hat das Verhalten gegenüber Füchsen (und Katzen und Wild-Hunden) von uns gelernt. Als Puck kam, gab es schon keine Füchse mehr ums Haus.

Und trotzdem, die Maremmani (unsere jedenfalls) haben das (aggressive) Beschützen im Blut, wenigstens das muß also Instinkt sein.

So long, liebe Grüsse
jutta









irene Offline



Beiträge: 190

16.09.2009 10:44
#29 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Auch können Hunde eine vermeintliche Bedrohung annehmen, die tatsächlich keine ist. Dazu ein Beispiel: Ein Nachbar hat mal abends in unserem Park im Dunkeln meine Frau angesprochen, ob sie seinen Hund gesehen hätte. Unsere drei Hunde haben den Mann sofort angegriffen und nur meine lauten Verbote haben zum sofortigen Abbruch geführt und eine Verletzung des Mannes verhindert. Dieser Vorfall zeugt von einer Beschützerfunktion für ein Rudelmitglied. Würde der Mann auf unser Grundstück kommen, würde er als Territorialeindringling angegriffen werden, egal ob meine Frau dabei ist oder nicht.

Hallo Rupp,
heißt das jetzt das Deine Frau diesen Mann,oder jemand anderes den die Hunde als gefährlich einstufen,nicht als Besucher ins Haus lassen könnte wenn Du nicht zu Hause bist?
Liebe Grüße Irene


Rupp Offline




Beiträge: 536

16.09.2009 13:36
#30 RE: Prägung von Welpen zu Hütehunden Zitat · antworten

Hallo Irene,
auf Deine Frage kann ich nur mit NEIN antworten.
Ersten leben diese drei Hunde nicht mehr und unsere jetzigen drei sind so erzogen, daß sie jeden ins Haus oder Garten lassen, wenn wir ihnen sagen, daß das o.k. ist. Sie verhalten sich dann nicht nur nicht abweisend, sondern begrüßen die Besucher freundlich. Darüber hat sich schon Jutta gewundert, die das so von ihren Hunden (Suzy + Puck) nicht kennt Dabei ist es egal, ob ich dabei bin oder nur meine Frau Besucher empfängt.

Anders sieht es aus, wenn Besucher, die unsere Hunde nicht kennen, auf unser Grundstück kommen. Sie werden immer durch anhaltendes Gebell angekündigt und das geht solange, wie die Leute für die Hunde sichtbar sind und sie würden, wenn sie aus dem Garten raus könnten, die Leute auch angreifen.
Wenn ich RUHE rufe, stellen sie fast immer ihr Gebell sofort ein. Kommt ein Fremder auf unser Grundstück, müssen wir den Hunden sagen, daß das o.k. ist. Sonst machen sie Radau und würden auch angreifen, auch wenn wir im Garten keine 5 Meter von den Hunden entfernt sind und der Besucher die Schiebetür zum Garten öffnet.
Ich würde aber niemand empfehlen, ohne unsere Anwesenheit in den Garten zu gehen, wenn die Hunde dort sind. Nur wenn die Hunde die Leute kennen, verhalten sie sich freundlich.

Liebe Grüße
Rupp

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