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 Gesundheit
Dorismaya Offline




Beiträge: 206

16.05.2009 09:36
Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Narkose bei Herdenschutzhunden

Die Anwendung von Propofol in der tieraerztlichen Praxis

Professor Dr. Gerhard Oechtering und Dr. Michaele Alef

Universitaet Leipzig
Klinik und Poliklinik fuer kleine Haus- und Heimtiere
Zwickauerstrasse 57 - 04103 Leipzig
Telefon (03 "‘ 1) 9.73 83 00 - Telefax (03 41) 9 73 83 19

________________________________________________________ ____________________

Die Anwendung von Propofol in der tieraerztlichen Praxis


Gerhard Oechtering und Michaele Alef

Klinik und Poliklinik fuer kleine Haus- und Heimtiere der Universitaet Leipzig
(Direktor: Prof. Dr. G. Oechtering)

Arbeitsgruppe Anaesthesiologie und lntensivmedizin

Propofol (2,6-Di-isopropylphenol) ist ein relativ neues, rasch- und kurzwirkendes Hypnotikum, dessen Zulassung fuer die Veterinaermedizin in Deutschland vor kurzem erfolgt ist. In vielen anderen Laendern ist der Wirkstoff schon einige Jahre fuer Tiere zugelassen und auf dem Markt. Das zur Verfuegung stehende Handelspraeparat1) enthaelt die Substanz in einer 1%igen isotonen Oel-in-Wasser-Emulsion zur intravenoesern Verabreichung. Eine paravenoese Injektion bewirkt im Gegensatz zu den Barbituraten jedoch keine Gewebereizung. Auch wiederholte Gaben fuehren nicht zur Kumulation. Propofol kann bei Hund und Katze verwendet werden und ist vertraeglich mit allen anderen bei diesen Tierarten verwendeten Anaesthetika.

Zentrales Nervensystem
Propofol bewirkt innerhalb von etwa 30 Sekunden einen schnell und sanft eintretenden Bewusstseinsverlust, der (abhaengig vom Ausmass der Praemedikation) 4 bis 8 Minuten anhaelt. Exzitationen treten selten auf. Die Aufwachphase ist beeindruckend kurz, ruhig und vollstaendig. Vielen Tieren ist die vorangegangene Anaesthesie nicht anzumerken. Vereinzelt kann es jedoch zu Unruheerscheinungen in der Aufwachphase kommen. Propofol besitzt keine analgetischen Eigenschaften. Die Muskelrelaxation unter Propofol ist gut.

Kardiovaskulaere Wirkungen
Propofol fuehrt zu einer dosisabhaengigen Kreislaufdepression.

Respiratorische Wirkungen
Propofol bewirkt eine dosisabhaengige Atemdepression. Vereinzelt kann man bei Patienten nach klinischen Dosen eine transiente Apnoe (< 1 Minute) und selten eine ausgepraegte Zyanose beobachten.


1) Rapinovet‘, Mallinckrodt Vet GmbH.. Burgwedel


lnjektionsanästhesie für kurze Eingriffe
In der tierärztlichen Praxis wird häufig eine Injektionsanästhesie für kurze "Eingriffe" benötigt. Dieser Begriff umfaßt sehr verschiedene Prozeduren, die unterschiedliche Anforderungen an die Anästhesie stellen. Für viele Untersuchungen wird jedoch nur ein schlafender Patient, also ausschließlich die hypnotische Komponente der Allgemeinanästhesie, benötigt. Für die Narkose solcher Indikationen wird eine kurze Wirkdauer ohne langen Nachschlaf gewünscht.

Kurze, nicht oder wenig schmerzhafte Eingriffe sind
Röntgendiagnostik
Ultraschalldiagnostik
Endoskopie (Oesophagus, Trachea)
Untersuchung von Mundhöhle, Ohren, Augen
Probenentnahme
Zahnsteinentfernung
Entfernen von Fremdkörpern (Auge, Ohr)
Fäden entfernen
Abszeßspaltung
Verbandwechsel
Wundbehandlung
Chirurgische Versorgung kleiner Wunden

Eine Anästhesie für kurze operative Eingriffe (Kastration eines Katers/einer Kätzin, Wundversorgung etc.) sollte darüber hinaus analgetische und gewisse muskelrelaxierende Wirkungen haben. Bei der Wahl der Narkose müssen die Leistungen des Anästhesieregimes und der geplante Eingriff aufeinander abgestimmt werden. Propofol hat eine ausgezeichnete hypnotische, jedoch keine analgetische Wirkung, so daß es vor allem für kurze, wenig oder nicht schmerzhafte Eingriffe eingesetzt werden kann.

Unsere bisherigen Erfahrungen mit Propofol bei Hund und Katze sind positiv. Propofol eignet sich gut als Monoanästhetikum für kurze, wenig schmerzhafte Prozeduren, das beliebig oft nachinjiziert werden kann, ohne daß sich die Aufwachzeiten verlängern. Hund und Katze benötigen im Vergleich zum Menschen sehr viel höhere Dosierungen (Tab. 1).

Vom Wirkungsspektrurn her steht Propofol in direkter Konkurrenz zu den ultrakurzwirkenden Barbituraten. Auch sie wirken ausgezeichnet hypnotisch, aber nicht analgetisch. Ultrakurzwirkende Barbiturate können ähnlich wie Propofol für kurze, nicht schmerzhafte Prozeduren eingesetzt werden. Das ähnliche Indikationsspektrum legt ein Vergleich von Thiobarbituraten und Propofol nahe (Tab. 2).

Im Gegensatz zu Propofol führen bei den Barbituraten höhere und wiederholte Dosen zu einer Kumulation mit Verlängerung von Anästhesiedauer und Aufwachphase. Für die Aufrechterhaltung einer Narkose sind Thiobarbiturate deswegen nicht geeignet, eine einmalige Verlängerung der Narkose mit bis zu einem Drittel der Einleitungsdosis ist jedoch möglich.

Tab. 1: Dosierungen von Propofol fuer kurze, nicht oder wenig schmerzhafte Eingriffe bei Hund und Katze.

Hund
Narkoseeinleitung
Ohne Praemedikation: 4-7 mg/kg KM i.v.
(0,4-0.7 ml/kg KM i.v.)

mit Praemedikation: 2-4 mg/kg KM i.v.
(0,2-0,4 ml/kg KM i.v.)

Wiederholungsdosis 2-4 mg/kg KM i.v.
(0,2-0,4 ml/kg KM i.v.)


Katze
Narkoseeinleitung
Ohne Praemedikation: 6-8 mg/kg KM i.v.
(0,6-0,8 ml/kg i.v.)

mit Praemeditkation: 2-4 mg/kg KM i.v.
(0,2-0,4 ml/kg KM i.v.)

Wiederholungsdosis 1-3 mg/kg KM i.v.
(0,1-0,3 ml/kg KM i.v.)
---------------------------------------------------------- ------------------


Tab. 2: Vergleich von Thiobarbituraten und Propofol

Thiobarbiturat
Propofol
Analgesie -
-
Kreislaufdepression +++ ++
arrhythmogen +++ -
Atemdepression ++ ++
Qualitaet der Einschlafphase ++ +++
Qualitaet der Aufwachphase ++ +++

Kumulation +++ -
Haltbarkeit
der angebrochenen Loesung (>) 5 d 1 d
---------------------------------------------------------- ------------------
---------------------------------

Propofol und Thiobarbiturate wirken dosisabhaengig kreislauf- und atemdepressiv. Unmittelbar nach der Injektion von Barbituraten koennen zusaetzlich jedoch Herzrhythmusstoerungen, meist ventrikulaere Extrasystolen im Bigeminusrhythmus (abwechselnde Normo- und Extrasystolen) auftreten.
Moegliche Ursachen sind eine nach der Injektion auftretende Hypoxie und Hyperkapnie.

Waehrend eine paravenoese Injektion von Propofol keine Gewebsreizung verursacht, kann die versehentliche paravenoese Injektion von Barbituraten zu Gewebereizungen und bei hoeher konzentrierten Loesungen auch zu Nekrosen‘fuehren. Ursache ist die stark alkalische (pH etwa 11!) Reaktion der Handelspraeparate.

Gerade beim Risikopatienten spielen die auf den ersten Blick nur geringen Unterschiede zwischen Propofol und Barbituraten eine Rolle. So sprechen die fehlende arrhythmogene Wirkung, die fehlende Kumulation sowie die schnelle, ruhige und vollstaendige Aufwachphase von Propofol fuer seine Anwendung beim Risikopatienten.

Propofol ist deutlich teurer als Barbiturate. Durch eine sedative Praemedikation koennen jedoch Einleitungs- und Gesamtdosis stark reduziert werden (Tab. 1). Zu diesem Zweck kann Acepromazin2 eingesetzt werden. Dosisreduzierende Effekte werden schon nach einer Praemedikation mit 0,01 mg/kg KM Acepromazin (i.v., i.m., s.c.) beschrieben, besonders deutlich werden diese nach Dosen von 0,05 mg/kg KM. Da Acepromazin eine lange Wirkung hat, zeigen diese Tiere nach Erwachen aus der Propofolnarkose noch eine Weile Sedationserscheinungen. Das Phenothiazinderivat Acepromazin sollte nie bei Risikopatienten verabreicht werden, da es durch Blockade der alpha-Rezeptoren ueber Stunden eine Blutdruckregulation unmoeglich macht.

Auch der alpha2-Agonist Medetomidin3 kann zur Praemedikation eingesetzt werden. Er besitzt, tierartlich etwas unterschiedlich, auch eine analgetische Wirkkomponente, so dass die Beschraenkung auf nicht schmerzhafte Eingriffe etwas gelockert wird. Medetomidin potenziert andere Anaesthetika sehr stark, so dass durch die sedativ-analgetische Praemedikation mit Medetomidin die zur Einleitung und Erhaltung benoetigte Propofoldosis deutlich raduziert wird (Tab. 3). In der Kombination mit Medetomidin kann es zur Verstaerkung der kreislauf- und atemdepressiven Nebenwirkungen kommen.


2) Vetranquil, 1 %, Fa. Albrecht, Aulendorf
3) Domitor, Smith Kline Beecham Tiergesundheit GmbH, Muenchen



Tab. 3: Kombination von Propofol und Medetomidin

Hund
Praemedikation: 40 mikrogramm/kg KM Medetomidin i.v. (i.m.)
(0,04 ml/kg KM i.v. (i.m.))
Narkoseeinleitung: 2,0 mg/kg KM Propofol i.v.
(0,2 ml/kg KM i.v.)
Narkoseerhaltung: 0,2-0,5 mg/kg KM Propofol i.v.
(0,02-0,05 ml/kg KM i.v.)


Dieses Narkoseregime eignet sich vor altem fuer laengere, wenig schmerzhafte Eingriffe. Die Kombination von Medetomidin und Propofol kann fuer Endoskopien des Magen-Darm-Traktes empfohlen werden, da die Passage des Pylorus ohne Schwierigkeiten moeglich ist.

Die Haltbarkeit von angebrochenen Propofol-Ampullen ist sehr kurz,. da sie keine antimi krobiellen Zusaetze enthalten. Angebrochene Loesungen sollten innerhalb eines Tages verbraucht werden. Erste Zwischenfaelle (Septikaemie) nach der Gabe von Propofol aus offenen Ampullen sind beschrieben.


Einleitung einer Inhalationsanaesthesie

Die klassische Indikation fuer die Verwendung eines intravenoes zu verabreichenden Hypnotikums wie das Propofol ist die Einleitung der Anaesthesie vor einer Inhalationsnarkose. Die benoetigten Mengen entsprechen den in Tab. 1 genannten Dosierungen. Wegen des ausschliesslich hypnotischen und sehr kurzen Effektes von Propofol werden bei der anschliessenden lnhalationsanaesthesie relativ hohe Dosen des Inhalationsanaesthetikums benoetigt. Der Vorteil ist jedoch, dass die Tiere kurz nach der Inhalationsanaesthesie aufwachen und nach kurzer Zeit vollstaendig wach sind.
Da weder Propofol noch die Inhalationsanaesthetika eine analgetische Wirkung haben. sollte bei diesem Anaesthesieregime nach schmerzhaften Eingriffen postoperativ ein Analgetikum verabreicht werden.
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Tab. 4: Einleitung einer Inhalationsanaesthesie bei Hund und Katze

Hund
Narkoseeinleitung ohne Praemedikation 4-7 mg/kg KM i.v.
(0,4-0,7
ml/kg KM i.v.)
Narkoseeinleitung mit Praemedikation 2-4 mg/kg KM i.v.
(0,2-0,4
ml/kg KM i.v.)
Inhalationsanaesthesie 1,5-3,5 Vol.-% Halothan oder Isofluran


Katze
Narkoseeinleitung ohne Praemedikation 6-8 mg/kg KM i.v.
(0,6 -
0,8 ml/kg KM i.v.)
Narkoseeinleitung mit Praemedikation 2-4 mg/kg KM i.v.
(0,2 – 0,4
ml/kg KM i.v.)
Inhalationsanaesthesie 1,5 – 3,5 Vol.-% Halothan oder Isofluran


Erhaltung einer Injektionsanaesthesie

Lange Zeit galt die Inhalationsanaesthesie als nahezu ideale Anaesthesieform gerade in der Erhaltungsphase. Der Grund war ihre sehr gute Steuerbarkeit. Die Anaesthetikakonzentrationen in der Alveole und im Gehirn stehen in einem direkten Gleichgewicht zueinander, so dass sich die Konzentration volatiler Anaesthetika-im Gehirn und damit die Anaesthesietiefe durch Veraenderung der inspiratorischen Konzentration steuern laesst. Die Inhalationsanaesthetika werden nur zu einem kleinen Teil verstoffwechselt, ihre Wirkdauer wird ausschliesslich von der pulmonalen Clearance bestimmt. Die Veraenderung der inspiratorischen Anaesthetikakonzentration spiegelt sich sehr schnell an der Narkosetiefe wider. In der Veterinaermedizin stellt jedoch der grosse apparative Aufwand bei einer Inhalationsanaesthesie einen Nachteil dar.

Durch die Entwicklung neuer Injektionsanaesthetika mit kurzer Wirkdauer, grosser therapeutischer Breite und fehlender Akkumulation erlangt auch die intravenoese Anaesthesie eine relative Steuerbarkeit. In der Erhaltungsphase wird das verwendete Injektionsanaesthetikum bei Bedarf nachdosiert, zum Operationsende wird die Zufuhr beendet. Die Patienten erwachen in Abhaengigkeit von der Wirkdauer der verwendeten Medikamente.

Die relativ gute Steuerbarkeit der neuen Injektionsanaesthetika hat in der Humananaesthesie zu einem Aufschwung der totalen intravenoesen Anaesthesie gefuehrt, so wird dieses Regime dort auch fuer lange, komplizierte Eingriffe bei Risikopatienten gewaehlt.

Bei der totalen intravenoesen Anaesthesie kann die Applikation der Praeparate in der Erhaltungsphase als wiederholte Bolusapplikation oder kontinuierlich erfolgen. Der Zeitpunkt der Nachinjektion bei Bolusgabe richtet sich nach den klinischen Anzeichen einer zu flachen Narkose (Lidreflex, Atem- und Herzfrequenz, Spontanbewegungen). Folge koennen stark schwankende Plasmaspiegel, eine wechselnde Narkosetiete und Stoerungen des Operationsverlaufes durch Spontanbewegungen sein. Aus diesem Grund ist waehrend der Operation eine staendige Ueberwachung der Narkosetiefe notwendig.

Eine kontinuierliche Zufuhr des Anaesthetikums gewaehrleistet einen gleichmaessigen Plasmaspiegel. Die Narkosetiefe bleibt konstant auf einem vom Anaesthesisten bestimmten Niveau. Werden Aenderungen der Narkosetiefe angestrebt, so reguliert der Anaesthesist die pro Zeiteinheit applizierte Dosis. Auch hier bildet die Ueberwachung der Narkosetiefe die Grundlage fuer die Medikamentengabe.

Die kontinuierliche Applikation des Injektionsanaesthetikums kann via Schwerkraftinfusion oder mit Hilfe von Infusions- und Spritzenpumpe erfolgen. Die Schwerkraftinfusion ist das weitaus kostenguenstigste Verfahren, fuer die Erhaltung einer totalen intravenoesen Anaesthesie ist die Exaktheit der Dosierung vor allem bei kleinen Mengen jedoch nicht ausreichend. Da nur grosse Mengen in relativ genauer Dosierung verabreicht werden koennen, ist in der Regel eine Verduennung der Injektionsanaesthetika notwendig. Ein Teil der verwendeten Medikamente ist jedoch nicht wasserloeslich und nur in beschraenktem Masse mit einer waessrigen Loesung mischbar. Die Verwendung von Praezisionstropfenreglern kann die Dosierungsgenauigkeit verbessern, sie erscheint uns jedoch nicht hinreichend genau.

lnfusions- und Spritzenpumpen bieten die Moeglichkeit der exakten Dosierung pro Zeiteinheit. Die Verwendungsmoeglichkeiten einer Infusionspumpe (1-999 ml/h) sind vor allem bei kleinen Tieren eingeschraenkt, da auch hier die Genauigkeit bei sehr geringen Mengen nicht ausreichend ist und eine Verduennung des Narkosemittels notwendig wird. Bei der Spritzenpumpe (0,1 -99,9 ml/h) werden dagegen 25 oder 50 ml-Spritzen verwendet, so dass die exakte Dosierung auch kleiner Mengen ohne Verduennung des Medikaments moeglich ist.

Fuer die bei der totalen intravenoesen Anaesthesie zur Narkoseerhaltung verwendeten Medikamente wird eine kurze Wirkdauer ebenso gefordert wie eine fehlende Akkumulation. Diese verhindert einen verlaengerten Nachschlaf bei wiederholter Applikation.


Diese Anforderungen an ein Anaesthetikum fuer die Erhaltungsphase erfuellt Propofol sehr gut. Sein Wirkungseintritt erfolgt sehr rasch (Sekunden) und ohne Exzitationserscheinungen. Die Wirkdauer ist durch eine schnelle Metabolisierung (Glukuronidierung) sehr kurz (<10 Minuten). Die Aufwachphase ist exzitationslos und vollstaendig. Hunde sind 15 bis 30 Minuten nach einer einzelnen intravenoesen Gabe vollstaendig erwacht, waehrend bei Katzen die Aufwachzeit etwa 30 Minuten betraegt. Propofol ist kompatibel mit vielen zur Praemedikation benutzten Medikamenten. Es kann in 5%iger Glukoseloesung verduennt werden (1 Teil Propafol mit 10 mg/ml auf maximal 4 Teile 5%ige Glukoseloesung = 2 mg/ml Propofol in der verduennten Loesung).

Propofol ist ein reines Hypnotikum. Es hat keine klinisch relevanten analgetischen Eigenschaften. Ist eine Schmerzausschaltung notwendig, muss diese durch eine analgetische Praemedikation, eine Regionalanaesthesie oder durch die zusaetzliche Applikation eines Analgetikums (z. B. Ketamin, Medetomidin, l-Methadon) erfolgen. Die Propofol-Dosierung ist sehr stark abhaengig von der gewaehlten Praemedikation, sowie von Groesse und Alter der Tiere. Aus diesem Grund sollte die gewaehlte Dosierung je nach erreichter Narkosetiefe bei Bedarf korrigiert werden.

Die Verwendung von Propofol zur Erhaltung einer Narkose ermoeglicht eine gut steuerbare Injektionsanaesthesie mit einer kurzen Aufwachphase. Spritzen- oder Infusionspumpen garantieren eine sehr genaue, gleichmaessige und gut zu regulierende Zufuhr des Narkosemittels aehnlich einer Inhalationsanaesthesie. Das in der tieraerztlichen Praxis bei einer Injektionsanaesthesie haeufig als stoerend empfundene Nachdosieren entfaellt. Die Narkose verlaeuft sehr gleichmaessig. Aufwachphasen mit Unruhe der Tiere waehrend der Operation treten nicht auf.

Die Anaesthesie ausschliesslich mit Propofol ist nur bei wenig schmerzhaften Untersuchungen empfehlenswert, so koennen Roentgenaufnahmen angefertigt oder Zahnstein entfernt werden. Die Tiere sind 15 bis 30 Minuten nach Beendigung der Narkose vollstaendig wach und koennen nach Hause entlassen werden. Dieses Anaesthesiekonzept ist jedoch bei grossen Hunden wegen des hohen Verbrauchs an Propofol mit nennenswerten Kosten verbunden. Ohne Praemedikation muessen einem Hund mit einer Koerpermasse von 10 kg pro 10 Minuten bis zu 8 ml Propofol appliziert werden.

Bei schmerzhaften Eingriffen ist die zusaetzliche Gabe eines Analgetikurns notwendig. Eine sedativ-analgetische Praemedikation bewirkt die notwendige Schmerzausschaltung, durch ihren sedativen Effekt senkt sie den Propofolbedarf. Unter diesem Anaesthesieregime koennen schmerzhafte Verbandwechsel, Wundbehandlungen, Repositionen von Luxationen, Punktionen,. Myelographien und aehnliches durchgefuehrt werden.


Diese Anforderungen an ein Anaesthetikum fuer die Erhaltungsphase erfuellt Propofol sehr gut. Sein Wirkungseintritt erfolgt sehr rasch (Sekunden) und ohne Exzitationserscheinungen. Die Wirkdauer ist durch eine schnelle Metabolisierung (Glukuronidierung) sehr kurz (<10 Minuten). Die Aufwachphase ist exzitationslos und vollstaendig. Hunde sind 15 bis 30 Minuten nach einer einzelnen intravenoesen Gabe vollstaendig erwacht, waehrend bei Katzen die Aufwachzeit etwa 30 Minuten betraegt. Propofol ist kompatibel mit vielen zur Praemedikation benutzten Medikamenten. Es kann in 5%iger Glukoseloesung verduennt werden (1 Teil Propafol mit 10 mg/ml auf maximal 4 Teile 5%ige Glukoseloesung = 2 mg/ml Propofol in der verduennten Loesung). Propofol ist ein reines Hypnotikum. Es hat keine klinisch relevanten analgetischen Eigenschaften. Ist eine Schmerzausschaltung notwendig, muss diese durch eine analgetische Praemedikation, eine Regionalanaesthesie oder durch die zusaetzliche Applikation eines Analgetikums (z. B. Ketamin, Medetomidin, l-Methadon) erfolgen. Die Propofol-Dosierung ist sehr stark abhaengig von der gewaehlten Praemedikation, sowie von Groesse und Alter der Tiere. Aus diesem Grund sollte die gewaehlte Dosierung je nach erreichter Narkosetiefe bei Bedarf korrigiert werden.

Die Verwendung von Propofol zur Erhaltung einer Narkose ermoeglicht eine gut steuerbare Injektionsanaesthesie mit einer kurzen Aufwachphase. Spritzen- oder Infusionspumpen garantieren eine sehr genaue, gleichmaessige und gut zu regulierende Zufuhr des Narkosemittels aehnlich einer Inhalationsanaesthesie. Das in der tieraerztlichen Praxis bei einer Injektionsanaesthesie haeufig als stoerend empfundene Nachdosieren entfaellt. Die Narkose verlaeuft sehr gleichmaessig. Aufwachphasen mit Unruhe der Tiere waehrend der Operation treten nicht auf. Die Anaesthesie ausschliesslich mit Propofol ist nur bei wenig schmerzhaften Untersuchungen empfehlenswert, so koennen Roentgenaufnahmen angefertigt oder Zahnstein entfernt werden. Die Tiere sind 15 bis 30 Minuten nach Beendigung der Narkose vollstaendig wach und koennen nach Hause entlassen werden. Dieses Anaesthesiekonzept ist jedoch bei grossen Hunden wegen des hohen Verbrauchs an Propofol mit nennenswerten Kosten verbunden. Ohne Praemedikation muessen einem Hund mit einer Koerpermasse von 10 kg pro 10 Minuten bis zu 8 ml Propofol appliziert werden.

Bei schmerzhaften Eingriffen ist die zusaetzliche Gabe eines Analgetikurns notwendig. Eine sedativ-analgetische Praemedikation bewirkt die notwendige Schmerzausschaltung, durch ihren sedativen Effekt senkt sie den Propofolbedarf. Unter diesem Anaesthesieregime koennen schmerzhafte Verbandwechsel, Wundbehandlungen, Repositionen von Luxationen, Punktionen,. Myelographien und aehnliches durchgefuehrt werden.



Bericht 11 ?????

Bei Eingriffen kaudal der Rippenbogen kann die notwendige Schmerzausschaltung durch eine lumbosakrale Epiduralanaesthesie erreicht werden. Propofol erzeugt die notwendige Hypnose ohne die Gefahr einer Kumulation. Auch bei langen Operationen (Arthrotomie, Osteosynthese, Laparotomie) werden keine verlaengertern Nachschlafzeiten beobachtet.

Propofol kann zur Erhaltung einer Injektionsanaesthesie natuerlich auch als Bolus appliziert werden. Grundsaetzlich gilt, dass wenn in der Erhaltungsphase eine Nachdosierung noetig ist, differenziert werden muss, ob die Sedation oder die Analgesie unzureichend ist.

Bei fehlender Sedation oder Hypnose kann je nach „Restsedation" und Gesundheitszustand des Hundes sowie nach der noch erwarteten Operationsdauer Diazepam12, Propofol oder Pentobarbital13 eingesetzt werden. Bei unzureichender Analgesie (z. B. Abklingen der Epiduralanaesthesie) koennen 3mg/kg KM Ketamin oder eine Kombination von 3 mg/kg KM Ketamin mit 0,3 mg/kg KM Xylazin intravenoes gegeben werden.

Bei der Katze kommen aehnliche Moeglichkeiten zur Erhaltung einer Injektionsanaesthesie nach sedativ-analgetischer Praemedikation in Frage. Dieses Spektrum wird noch durch das

Saffan, ein Steroidanaesthetikum mit hypnotischer und analgetischer Wirkung und geringen Nebenwirkung en, ergaenzt.


12) Valium 10, Hofmann-La Roche AG, Grenzach-Wyhlen
13) Narcoren, Rhone Merieux GmbH, Laupheim



Tab.7: Moeglichkeiten der Erhaltung einer Injektionsanaesthesie beim Hund

Fehlende Hypnose:
0,5-1,0 mg/kg KM Diazepam i.v.
(0,05-0,1 ml/kg KM i.v.)
oder
2-4 mg/kg KM Propofol i.v.
(0,2-0,4 ml/kg KM i.v.)
oder
3-5 mg/kg KM Pentobarbital i.v.

Fehlende Analgesie:
3 mg/kg KM Ketamin14) i.v.
(0,03 ml/kg KM i.v.) mit
0,3 mg/kg KM Xylazin15) i.v.
(0,015ml/kg KM i.v.)
nach Wirkung alle 10 – 20 Minuten



Tab.8: Moeglichkeiten der Erhaltung einer Injektionsanaesthesie bei der Katze

Fehlende Hypnose:
0,5 mg/kg KM Diazepam i.v.
(0,05 ml/kg KM i.v.)
oder
1-3 mg/kg KM Propofol i.v.
(0,1 – 0,3 ml/kg KM i.v.)
oder
3 –5 mg/kg KM Pentobarbital i.v.

Fehlende Analgesie:
0,6 mg/kg KM Saffan16) i.v.
(0,05 ml/kg KM i.v.)
oder
1 –3 mg/kg KM Ketamin i.v.
(0,01 – 0,03 ml/kg KM i.v.) mit
0,1 - 0,3 mg/kg KM Xylazin i.v.
(0,005 – 0,015 ml/kg KM i.v.)



14) Ketavet 10%, Parke, Davis & Company, Freiburg
15) Rompun 2%, Bayer Leverkusen
16) Saffan, Mallinckrodt Veterinary Ltd., UK

Teil 2

Der Einsatz von Xylazin und Yohimbin beim Hund

Neben klinischer Indikation zur Aufhebung der Xylazinwirkung beim Hund duerften wohl auch subjektive Gruende eine wesentliche Rolle spielen. Es ist fuer Besitzer und Tierarzt durchaus angenehm, wenn insbesondere grosse Hunde wie z.B. Doggen oder Tibet-Mastiff nach einer Roentgenuntersuchung oder einem klinischen Eingriff in wachem Zustand auf eigenen Fuessen die Praxis verlassen koennen. Gelegentlich lange Nachschlafphasen und damit verbundene Besorgnis des Besitzers werden vermeidbar.

Xylazin ist ein Alpha2-Adrenergikum und hat sedative, anaesthesierende, analgetische und zentral-muskelrelaxierende Wirkung. Seine Dosis-Wirkung zeigt starke tierartspezifische Unterschiede und innerhalb von Tierarten nuancierte Abweichungen in Abhaengigkeit vom Alter, Erregungszustand und Umgebung. Aufgrund seiner guten Vertraeglichkeit hat es weite Verbreitung gefunden und wird sowohl als Monopraeparat als auch in Kombination mit anderen Substanzen benutzt.

Beim Hund sind als Alpha2-Blocker mehrere Substanzen durchgetestet worden. Als eine der effektivsten Antagonisten wird das Yohimbin beschrieben. Hierbei wird die durch das Xylazin hervorgerufene Depression der Atem- und Herzfrequenz rasch ausgeschaltet sowie die Zeit zur Gehfaehigkeit erheblich verkuerzt.

Da die Tibet-Dogge wie einige anderen Rassen auch im allgemeinen empfindlicher gegenueber Sedierungen und Narkosen sind, hat es sich in meiner Praxis eingebuergert, die Sedierung fuer kurze, minderschmerzhafte, operative Eingriffe und Roentgenuntersuchungen mit der Substanz Xylazin (z.B. Rompun-Bayer) intramuskulaer und nicht intravenoes zu gestalten. Dadurch ist die Hirnanflutungsgeschwindigkeit und die Gefahr einer massiv ausgepraegten Herz- und Atmungsdepression und Blutdruckerniedrigung geringer. Als Dosierung empfehle ich fuer eine lege artis durchzufuehrende HD-Roentgenaufnahme 1,5 ml/10 kg Tibet-Mastiff -Koerpergewicht einer 2%igen Xylazinloesung intramuskulaer. Die Hersteller geben eine Dosierungsspannweite von 0,5-1,5 ml/10 kg KG an - Als gelegentliche Nebenwirkung ist mit Speicheln und Erbrechen zu rechnen. Die so sedierten Tiere sind geraeuschempfindlich.

Nach durchgefuehrter Manipulation am oder mit dem Tier wird direkt im Anschluss intramuskulaer einer in der Apotheke hergestellten, sterilen 0,2 %igen Yohimbinloesung intramuskulaer und zwar im selben Mengenverhaeltnis wie das zuvor verabreichte Xylazin (z.B. 6 ml Xylazin und 6 ml Yohimbin). In meiner Praxis sind die so sedierten und anschliessend aufgeweckten Hunde nach 10 - ‘.10 Minuten gehfaehig und voll ansprechbar. Eine voellige Erholung ist nach Aussagen von mehreren Tierbesitzern nach 45-70 Minuten eingetreten.

Es ist, wie oben schon erwaehnt, auch moeglich, die beiden Substanzen intravenoes zu applizieren ( dann bitte in einer geringeren Dosierung, naemlich 1,2 ml Xylazin und 1,2 ml Yohimbin i.v. - Herstellerempfehlung fuer Xylazin: 0,4 - 1,2 ml), doch hat sich diese Sedierungs- und Aufweckform aus folgenden Gruenden nicht bewaehrt:
1. zu schnelle Einschlaf- und Aufweckzeit (unter 1 Minute)
2. Kreislaufstoerungen
3. Heulen in der Aufwachphase und Uebererregbarkeit in ca. 10 Stunden nach
der Injektion

Ich benutze dieses Verfahren mittlerweile als Standard fuer fast alle HD-Roentgenuntersuchungen und habe bei ueber 200 Hunden nicht einen Narkosezwischenfall erlebt.

Teil 3

6.1.2 Allgemeine Schmerzausschaltung

Die gebräuchlichsten allgemeinen Schmerzausschaltun-
gen sind:
1 . Injektionsanästhesie nüt Neuroleptanalgetika, Ketamin-Neuroleptanästhetika, Meton-iidat-Neuroleptanästhetika und Barbituraten.
2. Inhalationsanästhesie mit Ather, Halothan, Methoxyfluran, Enfluran, Isofluran und Stickoxydul.
3. Kombinationsanästhesien: Vertiefung der Neurole?tanalgesie (NLA) nüt Ketarnin, Lokal- oder Inhal-ations-Anästhesie, Kombinationsformen von Neuroplegika (Tranquilizer, Neuroleptika, Psychosedativa) mit Analgetika, Barbituraten und Inhalationsanästhetika.
Dem Tierarzt steht heute eine große Auswahl von Pharmaka zur Verfügung. Von der Vielzahl der angebotenen ‘7äparate und Techniken sind hier vor allem jene berücksichtigt, die sich in der Praxis hinlänglich bewährt haben.
Die Wahl der bestgeeigneten Schmerzausschaltung sollte sich vor allem nach dem Operationsgebiet, dem physischen Zustand und der Rasse des Hundes und dem Anästhesierisiko richten. Im weiteren sind Operationstechnik, voraussichtliche Dauer des Eingriffes, Vorhandensein der Anästhesieapparaturen, Anzahl der zu operierenden Hunde, Hilfspersonal und nicht zuletzt auch Wissen, Einst 1lung und persönliche Erfahrung des Tierarztes für ciie Wahl des Anästhesieverfahrens maßgebend. Es gibt weder sichere Anästhetika noch sichere Anästhesietechniken, es gibt nur »sichere Anästhesisten«. Die Beschränkung auf wenige Standardpräparate und Standardtechniken erlaubt es, die nötigen Erfahrungen zu sammeln.

6.1.3 Vorbereitung des Patienten

Aura- und postoperative Todesfälle sind letzten Endes auf Nachlässigkeit, d. h. fehlende oder nicht genügende Vor-untersuchung, fehlende exakte Gewichtsermittlung, schlechte Bedienung der Anästhesiegeräte und nicht schnellem und intensivem Eingreifen bei Herzstörungen zurückzuführen (NIEMAND & NIEMAND, 1978).
Wichtige präoperative Grundregeln sind folgende:

Eine klinische Allgemeinuntersuchung ist bei allen Patienten erforderlich, insbesondere achte man auf Anzeichen von Fieber, Gelbsucht, Anämie und Urämie.
[> Röntgenbilder von Thorax und/oder Abdomen bei Unfallpatienten zum Ausschluß von Lungenkontusion, Pneumothorax, Zwerchfellriß, Blasenruptur, freiem Gas oder Flüssigkeit im Abdomen.
[> Laboruntersuchungen nach Bedarf. Minimaldaten bei alten und kranken Hunden: Hämatokrit, Harnstatus und Serunihamstoff.
[> Futterentzug während 8-12 Stunden, Wasser ad libitum.
> Korrektur oder Kompensation einer Azidose, Anämie, Herz-, Atmungs-, Nieren- oder Leberfunktionsstörung.
> Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei Austrocknung.
> Besondere Anordnungen wie Reinigungsklistier und Parazentesis.
[> Legen eines Dauervenenkatheters bei allen Risikopatienten.
l> Bereithalten eines vollständigen »Notfallbestecks«.

Kreislaufdiagnostische und prognostische Bedeutung haben: Allgemeinbefinden, Futteraufnahme, Körpertemperatur, Atem- und Pulsfrequenz, Pulsqualität, Hämatokrit und Hämoglobingehalt, Serumprotein-Konzentration, Serumharnstoff, weißes Blutbild, Blutkörperchen-Senkungsreaktion, spezifisches Gewicht und Eiweiß-, Glukose- und Bilirubinkonzentration des Harnes (HORSTMANN, 1968).


6.2 Lokalanästhesie, örtliche Schmerzausschaltung
Die Lokalanästhesie ist die schonendste, gefahrloseste und oft preisgünstigste Methode, Schmerzfreiheit ohne Bewußtseinsverlust zu erreichen.
Die lokale Schmerzausschaltung sollte möglichst oft und v. a. dann durchgeführt werden, wenn das Hilfspersonal für die technische Durchführung vorhanden ist, wenn sich die Hunde den jeweiligen operativen Eingriff ohne wesentliche Zwangsmaßnahmen gefallen lassen und wenn das Risiko einer Allgemeinnarkose zu groß ist. Beim alten Hund (> 8 Jahre) hat die Lokalanästhesie einen besonderen Stellenwert. Ängstliche oder widersetzliehe Tiere müssen mit einem Sedativum und/oder Analgetikum prämediziert werden. Psychisch bedingte HerzKreislaufbelastungen sollen vermieden, der Operateur vor Abwehrbewegungen und Bissen geschätzt und der Operationserfolg sichergestellt werden. Eingriffe, bei denen die Asepsis durch Unruhe des Patienten gefährdet wird, sind besser in Allgemeinanästhesie durchzufahren. Lokalanästhesie und oberflächliche Allgemeinanästhesie können kombiniert werden.


6.2.1 Oberflächenanästhesie

Bei der Oberflächenanästhesie werden die sensiblen Nervenendigungen in der Haut oder Schleimhaut an Nase, Konjunktiven, Genitalien, etc. unempfindlich gemacht.
Eine der ältesten Anästhesieformen ist die Kälteanästhesie mit Chlorethan (Chloraethyl-Medicell, Medice). Zur Hautanästhesie (Spaltung von Abszessen, Punktionen) wird ein Chlorethanstrahl aus etwa 20 cm Entfernung während 2-5 s auf die Haut gesprüht. Die durch den Verdunstungsvorgang bewirkte Abkühlung « 4 ‘C) unterbricht die Leitfähigkeit der sensiblen Nervenfasern. Nachteilig sind: Schmerz bei Beginn der Anwendung, kurze analgetische Wirkungsdauer « 3 min) und Explosionsgefahr der Äthyldämpfe bei offener Flamme und elektrischen Funken (Elektrokauterisation).
Verschiedene Lokalanästhetika, z. B. Lidocain (Xylocain‘ Astra), Mepivacain (Scandicain0 Astra), Prilocain (Xylonest‘ Astra), Butanilicain (Hostacain‘, Hoechst), eignen sich in Form von Lösungen, Sprays, Salben oder Puder zur Oberflächenanästhesie von Schleimhäuten und Wundflächen. Wegen der relativ großen Absorption, insbesondere im Bronchialbaum, und um toxische Reaktionen zu vermeiden, ist die niedrigste wirksame Dosierung zu verwenden. Am Auge kommen Lösungen mit Kokain 1-4 %, Tetracain (Pantocain‘, Hoechst) 0,5-1%ig und Augentropfen (Conjuncain‘, Mann, Ophtocain‘, Dr. Winzer, Oxybuprocain (Novesin‘ 0,4 % Dispersa) als Oberflächenanästhetika zur Anwendung.
Zur Anästhesie und Relaxation der Eierstockbänder bzw. Samenstränge (bei oberflächlicher Allgemeinanästhesie) genügen 1-3%ige Lösungen von Lidocain, Mepivacain oder 0,5-1%ige Lösungen von Cinchocain (Novotrixl, Mepha), die mittels eines Tupfers, Pinsels oder Watteträgers auf die Serosa aufgetragen werden.
Anästhesiesprays (Gingicain0, Hoechst, Xylocain‘, Astra) erzielen innerhalb 1-2 min eine etwa 15-20 min anhaltende, in eine Tiefe von etwa 2 mm reichende Oberflächenanästhesie der Maulschlein-ihaut. Das schwenkbare Spraymundstück erleichtert den Zugang zum Anwendungsgebiet. Das Dosierventil gibt bei jedem Hinunterdrücken eine definierte Menge Wirkstoff frei: z. B. 10 mg Lidocain aus einer IO%igen Xylocain@-Spraybüchse.

6.2.2 Infiltrationsanästhesie

Das Lokalanästhetikum, z. B. Procain (Novocain, Hoechst), Lidocain, Mepivacain, wird unter ständiger Aspirationskontrolle um und unter die Operationsstelle gespritzt. Die Injektion soll langsam und gleichmäßig während des Zurückziehens der Kanüle erfolgen. Grundsätzlich soll die kleinstmögliche Menge und Konzentration (0,5-1%ig) verwendet werden, um zentralnervös bedingte Erregungserscheinungen infolge Überdosierung auszuschließen. Für großflächige Operationsgebiete ist das Anästhetikum mit 0,9 % NaCI-Lösung (nicht mit Aqua dest.) auf eine 0,25%ige Lösung zu verdünnen. Als Richtdosis können unbedenklich entweder etwa 1-2 mg/kg Procain, Lidocain oder Mepivacain ohne Adrenalin oder 3-4 mg/kg mit Adrenalin gegeben werden. Bei alten Hunden (> 8 Jahre) und Patienten mit reduziertem Allgemeinbefinden muß die Dosis verringert werden.
Der Zusatz eines Sperrkörpers wie Adrenalin (Suprarenin‘, Hoechst) oder Noradrenalin (Artereno10, Hoechst) 1 : 50 000 (1 mg in 50 ml Lösung) bis 1 : 200 000 (1 mg in 200 ml) zum Anästhetikum bewirkt eine örtliche Gefäßverengung und damit (1) Resorptionsverzögerung des Lokalanästhetikums, (2) Toxizitätsverminderung, (3) Erhöhung der analgetischen Wirkungsdauer (2- bis 3fach), (4) Erhöhung der analgetischen Intensität, aber auch eine lokale Nekrosegefahr bei empfindlichen, fein- und dunkelhäutigen Hunderassen (Pudel). Adrenalinzusatz erhöht das Risiko für Herzdysrhythmien (Tachykardie, Kammerflimmern eines durch Halothan sensibilisierten Herzmuskels).
Subfasziale und intraarterielle Injektionen müssen vermieden werden.
Die Zugabe von 500 VRE Hyaluronidase (Hyason‘, Organon, Kinetin@, Schering) zu 100 ml Lokalanästhetikum erhöht die Permeabilität des Bindegewebes und bewirkt (1) einen schnelleren Wirkungseintritt, (2) eine breitere Ausdehnung, (3) eine verkürzte Wirkungsdauer und (4) eine geringere Analgesie. Hyaluronidasezusatz ist kein Ersatz für eine gezielte Injektionstechnik. Faszien sind undurchdringbare Sperren für Hyaluronidase.

Indikationen: Operationen an Pfoten, Exzisionen von oberflächlichen Tumoren, Wunddrainagen, Abszeßspaltung, Hämatomdrainage. Als Ergänzung zur unterschwelligen Neuroleptanalgesie (niedrige Dosierung der Sedativa und/oder Analgetika) beim Risikopatienten, zusätzlich vor Einsetzen einer Allgemeinanästhesie, um schneller mit der Operation beginnen zu können, und bei vorzeitigem Nachlassen der Analgesie mit nicht steuerbaren Allgemeinanästhetika (NIEMAND & NIEMAND, 1978).

Kontraindikationen: Nekrosen, Phlegmonen, Infektionen, Indurationen im Injektionsgebiet und bei Gefahr von ischämischen Nekrosen (Lappenwunde).


6.2.3 Intravenöse Regionalanästhesie der Vordergliedmaße

Indikation Alle chirurgischen Eingriffe im oder distal vom Ellbogengelenk.

Technik Am sedierten Hund wird mit einem proximal des Olekranons angelegten Gumnüschlauches die arterielle Blutversorgung während 60 bis 120 min unterbrochen (KÜPPER, 1977). Die am weitesten distal hervortretende Vene (V. superf. dors. metacarp.) des Pfotenrückens wird punktiert und die Gliedmaße durch manuelle Kornpression der gestauten Vene entblutet. Dann wird Lidocain 1 % (0,5-1,0 ml/kg) in die distale Pfotenrückenvene inijziert. Das Auffinden einer geeigneten Vene kann bei dickhäutigen Hunden schwierig sein. Paralyse und Anästhesie der Gliedmaße treten innerhalb von 3-5 min ein und dauern, solange der Abbindeschlauch hält.

Professor Dr. Gerhard Oechtering und Dr. Michaele Alef
Universitaet Leipzig
Klinik und Poliklinik fuer kleine Haus- und Heimtiere
Zwickauerstrasse 57 - 04103 Leipzig
Telefon (03 „’ 1) 9.73 83 00 - Telefax (03 41) 9 73 83 19



[color=red][b]Noch was wichtiges!!!
viele Hunde haben Probleme mit dem Mittel "Acepromacin".

Da Herdies einen verlangsamten Stoffwechsel haben, sollte dieses Mittel auf KEINEN Fall verabreicht werden.
[/b]

[/color]

LG Doris



Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft zu einem Menschen. Konrad Lorenz

Claudia ( gelöscht )
Beiträge:

16.05.2009 17:07
#2 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Danke Doris!

Sehr interessant... vor allem, da ich beruflich immer wieder Reklamationen bei Propofol (am Hund angewandt) bekomme!

LG
Claudia

max Offline



Beiträge: 43

29.01.2010 22:40
#3 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Hallo, möchte mich mal melden.Max mußte operiert werden,hatte einen Tumor am Bein .Der arzt meinte mit Narkose wäre es weniger traumatisch für Max.waren bei ihm, bis er wegschlummerte .in der aufwachphase waren wir wieder bei ihm Er war so was von geduldig.Läßt sich alles gefallen ,von Pullover ,Socken,und bei Regen die regenjacke meines Mannes überziehen. Eben rief der Tierarzt an alles O.K allso gutartig .[flash] Noch eine Frage,wer hat Erfahrung mit Prostada Zysten wurden nach einer Ultraschallunresuchung bei Max diagnostiziert.Bekam Tabletten,aber hat nicht wirklich geholfen.Montag nächster Termin beim Tierarzt. PS;Narkos sehr gut vertragen.Gruß an Tessa von Max.

Tessa Offline



Beiträge: 6

06.02.2010 23:09
#4 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Hallo Max.
ich hab Tessa grad erzählt was Dir passiert ist.
Sie ist sehr froh das es Dir wieder gut geht und der Befund gut für Dich ausgefallen ist.
Jetzt spricht ja nichts dagegen das Du mit Deinen Menschen zum Maremmanotreffen dieses Jahr wieder nach Pfungstadt kommst.
Ich freue mich schon sehr auf Dich.
Liebe Grüße Tessa

max Offline



Beiträge: 43

06.02.2010 23:29
#5 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Hallo Tessa, schön das du dich noch an mich erinnerst,[heart]Sollten wir zu dieser Zeit nicht in Italien sein, kommen wir gern .Wie geht es dir und deinem Anhang? Liebe grüße von [rose]MAX und seinem Rudel..[flash]

Natty ( gelöscht )
Beiträge:

17.08.2010 19:10
#6 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Hallo,
ich hätte gerne eine Frage zum Thema Propofol / Rapinovet.
Kann es sein das ein 50kg Hund der für die HD Röntung 84 ml
Rapinovet ( warum auch immer diese Überdosis ?) bekam,
bei dem ca. 5 Wochen nach der Röntgung
durch einen Zufallsbefund,akutes Nierenversagen diagnostiert
wurden, der Auslöser für dieses Nierenversagen Propofol war.
Der Hund hatte 14 Tage nach der Röntung Augenproblme und war
apatisch, nach dem 3. TA Besuch wurde ein Blutbild
gemacht dabei hohe Nierenwerte festgestellt. Vor dem Röntgen
war der Hund unauffällig.

Vielen lieben Dank für Antwort Natty

Liz Offline




Beiträge: 20

17.08.2010 20:40
#7 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Hallo Natty,habe einen Nierenkrankenhund der NIIIIIIIIIIIIIIE Narkose hatte sondern bei ihm wird vermutet durch Ehrlichiose und die entsprechenden Medikamente dazu. Meine Dogge wurde mit einem günstigeren Medikament nakodisiert die Hündin hatte geschrien beim aufwachen. Mit Propofol schlief die Hündin ruhig ein und erwachte völlig entspannt. Bei meinem Rüden kam die Nierenkrankheit durch Nachforschen heraus. Er zeigte nie irgendwelche Auffälligkeiten war munter und fitt. Aufgefallen war nur das er extremen aus dem Maul stank was aber nicht immer nur ab und zu auftauchte. Da ich meine Hunde barfe und keiner aus dem Maul stinkt viel mir dies beim unserem Neuzugang auf. Wie geschrieben, war nicht immer, dieses stinken für mich aber ungewohnt.
Der Hund könnte schon vorher was an den Nieren gehabt haben ohne das er irgendwie auffällig war und die Narkose der auslöser für das akute Nierenversagen.


Grüßle Conny

Natty ( gelöscht )
Beiträge:

18.08.2010 00:49
#8 RE: Narkose bei Herdenschutzhunden Zitat · antworten

Vielen Dank Conny für deine Antwort.
Liebe Grüße Natty

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